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"Personenschaden"

8. Mai 2008, 22:19.

...ist ja immer ein schöner Euphemismus für “Mensch gegen Zug, Zug gewinnt”.

Jap, ich hab heut zum allerersten Mal eine Leiche gesehen. Oder vielleicht wäre der Terminus “Leichenteile” angebrachter. Lagen da einfach auf den Gleisen rum, vier Polizisten standen daneben. Sobald das Hirn realisiert, was man da eigentlich gerade sieht, fühlt es sich an wie ein Fausthieb irgendwo zwischen Herz und Magen (nehm ich an. Bin noch nie geschlagen worden.) And now I’m scared shitless, und ich krieg das Bild nicht mehr aus dem Kopf. Gah.

Durnerwald.

13. Februar 2008, 16:51.

DURNERWALD = MAFIA

stand auf einem Trenitalia-Waggon am Brenner, ganz groß in den Dreck gemalt.

Glück am Montag.

9. Juli 2007, 10:28.

Am frühen Morgen, bei Regen, im Zug nach Bozen pendeln, nasse und graue Trostlosigkeit am Fenster vorbeiziehend, “Where Is My Boy” im iPod.

Hach.

Von Japanern und Zügen.

13. April 2007, 10:52.

Der EC 188 “Val Gardena-Grödnertal” von Verona nach Innsbruck von 8.56 Uhr hatte eine Stunde Verspätung, und der nächste um 9.41 (EC 88, “Leonardo da Vinci”) eine halbe. Wir hätten noch zum Supermarkt runterlaufen und Parmesan kaufen können. Den hatten wir in unserem üblichen Exportpaket (Kaffee, Parmesan, Schüttelbrot, italienische Chips, Aperol) vergessen.

Und in der Nacht vorher im Traum hatte ich einen Autounfall, ein Kleinbus voll Japaner rammte seitlich meinen Peugeot, und ich hatte eine Fleischwunde am linken Handgelenk. Man sah so richtig den Knochen. Der hatte aber eine seltsam geformte Oberfläche, mit Bläschen. Ich schimpfte etwas japanerfeindliches und der kleine Herr im Anzug wurde böse.

Herbstzugbloggen.

4. November 2006, 18:43.

Während das schlechte Wetter dreist die aufkommende Dämmerung vortäuscht und die Autos schon mit Licht über dunstige Landstraßen ziehen, während hin und wieder eine Abteiltür zuschlägt und ein Kleinkind am Gang vor sich hin quietscht, frage ich mich, ob Maria Anzbach und Unter Obersdorf reale Ortschaften sind oder bloß perfekte Requisiten der Modelleisenbahn, in der wir sitzen.

Am Gleisrand liegt eine weiße Plastikplane und bedeckt vielleicht etwas, vielleicht nichts, David liest in meinem Spiegel über die musikalischen Machenschaften der Schlagerindustrie, und ich beobachte Nachbarschaften, die auf Schrägen gebaut sind und immer aus gelben Häusern bestehen, beobachte nass belaubte kleine Schrebergärten mit dunklen Holzhüttchen auf feuchten Wiesenstückchen, und ich zugblogge und denke an Handschuhe und Holundertee und an kleine Papiertüten mit schwarz gebratenen Kastanien und fühle mich… herbstlich.

Von Trenitalia, Teenagern und Titelstorys.

14. September 2006, 15:17.


Mal wieder rammelvoll, der verdammte Zug. Weil es kein Regionalzug ist, sondern der Eurocity nach München. Die germanischen Touristen zerquetschen uns arme Pendler mit Koffern und Tüten Sackln und Taschen und Jacken und Büchern und Chips und großen Hintern und weißen Socken.

Aber ich hab mich am Bozner Bahnsteig 3 mal wieder an den perfekten Punkt gestellt: Die Zugtür hält vor meiner Nase. Rein ins zweite Abteil, noch viel Platz, es füllt sich bald. Aber dann kommen sie, die Touris, die natürlich reserviert haben, und das halbe Abteil muss wieder aufstehen.


Provinz ist, wo ich bin.

10. Juli 2006, 17:26.


ITALIEN IST WELTMEISTER und ich bin wieder in Südtirol, drei Monate ohne Aussicht auf Bewährung. Aber zumindest sind meine Eltern mit meinem Bruder zwei Wochen auf Urlaub – ich hätte sie ja gerne wiedergesehen, aber Südtirol und Eltern auf einmal, das ist immer ein bisschen zuviel für meine Eingewöhnungssynapsen. So kann ich mich in Ruhe wieder mit Brixen anfreunden, Wien ein bisschen nachtrauern und dann festen Gemüts der liebenden Wärme der Familie entgegentreten.

Allerdings verlief die Fahrt nach Hause wieder einmal nicht so, wie sie hätte sollen – ich glaube, Züge reagieren auf meine bloße Präsenz mit menschlichen Unikaten und technischen Seltsamkeiten. Denn noch im Zug notierte ich folgendes:


Chaos verboten.

14. Januar 2006, 23:50.


chaos verboten.

Die Nachdenweihnachtsferien-Fahrt nach Wien. Der Zug mit dem verschlossenen Waggon. Das Abteil mit den versetzten Sitzen. Die schmutzige Zugfensterscheibe mit dem verwurschtelten, in sich zusammengefallenen Nichts-aus-dem-Fenster-werfen-Aufkleber. Der ein bisschen aussah wie ein Saftkrug. Meine fotografierende Hand im Fensterspiegelbild.

Tales of Ordinary South Tyrolean Madness.

22. Dezember 2005, 18:14.

Nun, man sitzt da so im Zug von Bozen nach Brixen, der noch im Bozner Bahnhof auf bessere Zeiten wartet, hat sich zuvor zwanzig Minuten lang am Bahnsteig den Allerwertesten abgefroren und vermisst bereits den gerade verabschiedeten Liebsten.

Der auf der anderen Seite sitzende attraktive Enddreißiger bis Mittvierziger (ich kann Alter so schlecht einschätzen) in orangefarbenen Jeans fragt sogleich: “Ist das neu?” und meint damit Speedy, mein Snowboard. Ich antworte freundlich (er ist wirklich attraktiv) mit “Nein, es ist nicht neu, schon etwas ramponiert, hier.” Er hakt nach: “Also kein Weihnachtsgeschenk?” Nein, sage ich, schon fünfsechs Jahre alt, aber pfleglich behandelt.

An ÖBB Train Named Desire.

2. November 2005, 20:16.

Heute offline gebloggt, sozusagen. In Wagen 309, Platz 066, Gegenfahrtrichtung. Auf die Rückseite der Überweisungsbestätigung für den Studienbeitrag schreibend. Anyway:

Beim Bahnfahren in feuchtkalt vorbeiziehender Dämmerung überlagert sich, wenn man das Glück eines Fensterplatzes hatte, ungefähr eine Stunde lang das bunte Spiegelbild des Abteils mit der fast dunklen, flachen Landschaft des monarchienostalgischen Lands der Berge.


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