Notizen.
25. Februar 2008, 13:10.Freitag, 22. Februar. Transkribiert vom sehr analogen Notizblock. A righe.
[Der Kirchenmann gibt sein Statement.]
Fundamentaltheologische Hirnwichserei.
Fundamentaltheologische Hirnwichserei ist ein schöner Ausdruck.
Oh, ein “Wart ihr am Sonntag alle in der Kirche?”-Witzchen.
Das ist lächerlich.
Der Theologe spricht übrigens in genau dem Tonfall, in dem Predigten gehalten werden. Ich finde das witzig.
Hm, ich hab Hunger.
Die alte Oma watschelt nach vorn und fotografiert das Publikum hochprofessionell mit Digitalkamera. You go, girl!
(Oh, und vorher hat Mina Welby, die ja ebenfalls zu den senior citizens gehört und die ich ganz toll finde — und wegen der ich eigentlich hier bin — von ihrem Blog und den Onlineforen der Radicali berichtet und vom Publikum nur schafäugig-ratlose Blicke geerntet.)
(Die Frau ist cool.)
Wer hat den Priester eingeladen?
Mir ist kalt hier.
Eine Stunde um. Ich müsste nicht bleiben, aber es wäre unhöflich gewesen, nach dem Interview zu verschwinden. Ich und meine Höflichkeit. Andere Leute machen sich da keine Probleme.
Hunger.
Priester: “Kontakte im Internet… ein Leben in Fülle.” Hrhr. Die Zuhörer glotzen wieder nur.
Priester, noch mal: “Das ist äußerst sinnvoll, und äußerst christlich.” Widerspruch! Oxymoron!!!
Da fällt mir kurz Little Britain ein: „I’m looking to buy a painting of a disappointed horse.“ Heeehee. Nein, ich weiß auch nicht, was das mit Sterbehilfe zu tun hat.
(Die Frau, die jetzt spricht, klingt wie eine perfekte weibliche Hitlerparodie. Ich schwörs.)
Die erste Frage aus dem Publikum, in schönstem Südtiroler Pseudohochdeutsch: “Wenn da einer isch, der was da in der Situation isch…”
[Der Herr mit den Deutschschwierigkeiten bedankt sich auch artig für den Vortrag.]
Die nächste Perle aus dem Publikum [nicht zur Sterbehilfe, sondern zur Abtreibung. Die erregte Dame hat das Thema leicht verfehlt, aber wenn der Theologe schon mal da ist…]: “Da erwarten sich die Väter neun Monate lang ein gesundes Kind, EINEN HOFERBEN! Oder eine Tochter zum Vorführen!!!” Only in South Tyrol, baby, only in South Tyrol.
Ein Lobeswort aus dem Publikum an die Ärztin im Podium: “Sie waren sehr sachlich, und des hot mir guat getun, weil in Südtirol isch man nicht so oft sachlich.” Hrhr.
Der Fundamentaltheologe muss wieder ein bisschen die Kirchenposition vertreten: “...es ist ja vielleicht ein zufriedener Dementer!” Oi.
Oje, der Theologe parodiert allen Ernstes Ratzinger. So ein Anbiederer. Betretenes Gekicher aus dem Publikum.
I’m such a bitch.
Habe ich schon erwähnt, dass ich diese Stadt nicht mag?
Amen.
[Ja, ich lebe noch. Ich hab nur kaum Zeit zum Bloggen.]
or is it in my head
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Liebe Val… der Spruch “Leben und leben lassen!” passt glaub ich in jeder Hinsicht zu diesem Beitrag. Auch wenn man mit Inhalten nicht übereinstimmt und mit dem intellektuellen Niveau nichts anfangen kann, sollte man die Leute nicht gleich niedermachen. ;)
bis dann
Christian
P.S.: Übrigens, “Fundamentaltheologische Hirnwichserei” ist ein Super-Ausdruck. :)
P.P.S.: Nein, ich stimme GANZ UND GAR NICHT mit den verklemmten Ansichten der katholischen Kirche überein, bin aber trotzdem der Meinung, dass für eine sachliche Diskussion immer Platz sein muss. (wobei ich es überhaupt nicht gerne habe, wenn jemand einem anderen seine Meinung mit rethorischen Tricks aufdrängen will)
P.P.P.S.: Vor allem das Thema “Sterben” geht uns alle (wirklich alle) was an. Und ich respektiere jeden, der den Mut hat sich damit zu beschäftigen, egal welche Meinung er vertritt, und welche Ausbildung er hat.
— Christian Feb 25, 17:27 #
Ich glaube, du hast hier meine Absichten verkannt. Ich hatte nicht vor, Menschen niederzumachen, und ich glaube doch, ein recht toleranter Mensch zu sein.
Der Abend, an dem diese Notizen entstanden, war trotz des wirklich ernsten Themas so voll von unfreiwillig komischen Momenten und pointierten Anmerkungen über Südtirol und die Kirche, dass ich darüber bloggen wollte.
Also, nochmal: Mir ist klar, dass das Thema ein empfindliches ist. Und ich hoffe, du konntest herauslesen, dass ich nicht die Diskussion an sich komisch fand (im Gegenteil, ich fand die ganze Diskussion sehr spannend, und das Thema liegt mir am Herzen!), sondern einzelne Elemente und Beiträge darin. Die ich eben mit dem Blogvolk teilen wollte.
Ich finde, der Ansatz von Mina Welby, selbst im Traurigen immer das Humorvolle zu suchen, ist ein sehr wertvoller — und dem wollte ich hier folgen.
(Der anwesende Theologe anscheinend auch — ich schwöre, er hat Ratzinger veräppelt!)
Und zuletzt noch: Ich glaube nicht, irgendwo im Text die Ausbildung oder das intellektuelle Niveau der Anwesenden niedergemacht zu haben. Zumindest fällt mir da beim nochmaligen Durchlesen nichts auf. Vielleicht kannst du mich auf die entsprechenden Stellen aufmerksam machen?
Danke für deine Kritik! :)
— Val Feb 25, 18:36 #
schnipp I :
(Oh, und vorher hat Mina Welby, (...) von ihrem Blog und den Onlineforen der Radicali berichtet und vom Publikum nur schafäugig-ratlose Blicke geerntet.)
schnipp II :
Die erste Frage aus dem Publikum, in schönstem Südtiroler Pseudohochdeutsch: “Wenn da einer isch, der was da in der Situation isch…”
[Der Herr mit den Deutschschwierigkeiten bedankt sich auch artig für den Vortrag.]
schnipp III :
Oje, der Theologe parodiert allen Ernstes Ratzinger. So ein Anbiederer.
Q.e.d :
I’m such a bitch.
yay!
— p. Feb 25, 22:18 #
Liebe/r “p.”,
ratlose Blicke bzw. das tolle Südtiroler Hochdeutsch bzw. vor allem Anbiederei = Ausbildungsniveau? Ich glaube nicht.
Ach, und ich würde doch um etwas weniger anonymes Kommentieren bitten. Das zeugt von einer Meinung, hinter der man auch steht :)
— val Feb 25, 22:47 #
Ups, der Ausdruck “niedermachen” war zu scharf gewählt. Sorry!
Das mit der unterstellten mangelnden Ausbildung meinte ich zwischen die Zeilen (Pseudohochdeutsch, artige Bedankung und Hoferben) hineininterpretieren zu müssen.
Und dass Du die Diskussion an sich NICHT komisch fandest, war mir auf jeden Fall klar…
bis dann
Christian
P.S.: Ich freu mich auf das nächste Blog-Lebenszeichen von Dir! :)
— Christian Feb 25, 23:19 #
Das mit der unterstellten mangelnden Ausbildung meinte ich zwischen die Zeilen (Pseudohochdeutsch, artige Bedankung und Hoferben) hineininterpretieren zu müssen.
muss wiedersprechen, das “hineininterpretieren” fällt bei den textstellen so leicht, wäre man weniger versöhnlich hätte man bei “herauslesen“ bleiben können :-)
— p. Feb 26, 08:14 #
Christian, neeeein, du musst dich nicht entschuldigen! :) Ich wollte nur erklären, welche Gedanken hinter dem Geschreibsel standen. Und gut, dass dir meine lauteren Absichten sowieso klar waren :)
Das nächste Lebenszeichen folgt (hoffentlich) bald!
— val Feb 26, 10:34 #